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HVD NRW: „Praktische Philosophie“ an Grundschulen!

Wann kommt endlich „Praktische Philosophie“ in die Grundschule?

Der Humanistische Verband NRW fordert, die Einführung eines Ethik- oder Philosophieunterrichtes an den Grundschulen nicht halbherzig anzugehen und auf die lange Bank zu schieben. „Wir brauchen diesen Unterricht dringend, damit die große und wachsende Zahl konfessionsfreier Kinder nicht länger außen vor bleibt, wenn es um Fragen einer guten und sinnvollen Lebensführung geht„, betont Erwin Kress, Präsident des Humanistischen Landesverbandes.

Auch von den muslimischen Kindern erhält der allergrößte Teil keinen solchen Unterricht. Dies dient nicht der Verbesserung des Zusammenlebens.“ Gerade ein solcher Unterricht kann den Blick auf unterschiedliche Weltsichten und die gegenseitige Toleranz sehr befördern.

Der Ausschuss für Schule und Bildung im Landtag NRW wird sich in seiner Sitzung am Mittwoch, den 21. Februar 2018 erneut mit der Einrichtung eines Ethik- oder Philosophieunterrichtes an den Grundschulen des Landes beschäftigen.

CDU und FDP haben sich im Koalitionsvertrag zur Einführung eines Ethikunterrichtes für Kinder verpflichtet, die nicht an einem Religionsunterricht teilnehmen. Die Grünen, nun von Koalitionszwängen befreit, fordern ebenfalls ein Fach, in dem sich die Kinder eine Lebensphilosophie erarbeiten können.

Auch wenn es im Schulbereich noch andere Baustellen gibt, muss die Schulministerin nun schnell einen Plan für die Einführung eines neutralen Werteunterrichtes in den Grundschulen vorlegen. Einen brauchbaren Lehrplanentwurf hat der Fachverband Philosophie bereits vorgestellt. Nun müssen die finanziellen Mittel für Lehrkräfte bereitgestellt werden und die Ausbildung dieser Lehrkräfte muss organisiert werden. Erfahrungen aus dem Bereich Praktische Philosophie in der Mittelstufe (Sek. I) liegen vor.

Dazu erklärt Erwin Kress, Präsident des Humanistischen Verband NRW:
Mit vielen anderen gesellschaftlichen Kräften teilen wir allerdings den weitergehenden Wunsch, dass an einem Werte vermittelnden Ethik- bzw. Philosophieunterricht alle Schülerinnen und Schülern einer Klasse zusammen teilnehmen sollten. Die gegenwärtigen Erfahrungen in Berlin und Brandenburg zeigen uns, dass Philosophie-Unterricht für alle und religiöses Bekenntnis keinen Widerspruch darstellen müssen. Ein verpflichtender Werte-Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler dient dem Zusammenleben und nutzt auch Familien, die auf Wunsch weiterhin ein konfessionsgebundenes Unterrichtsangebot wahrnehmen könnten.“

Beitrag mit freundlicher Genehmigung übernommen vom Humanistischen Pressedienst

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Seminar zur humanistischen Schulpolitik

Am 16. und 17. Februar steht in einem Seminar des HVD-Landesverbandes NRW das Thema „Humanismus und Schule“ auf dem Programm. Auch die bisherige Arbeit der Landesarbeitsgemeinschaft hat gezeigt, dass es noch viel Klärungsbedarf gibt.

Die Verfassung des HVD NRW beschreibt den Einsatz für einen gemeinsamen Ethikunterricht für alle Schüler und die Einführung von „Humanistischer Lebenskunde“ als weltanschaulichen Unterricht. Soll man als Zwischenlösung einen Ersatzunterricht „Praktische Philosophie“ unterstützen für Kinder, die nicht an einem Religionsunterricht teilnehmen? Braucht man noch einen Weltanschauungsunterricht, wenn es ein allgemeines Wertefach für alle Schüler gibt?

Zum Seminar wird als Gesprächspartner Jaap Schilt eingeladen. Er ist studierter Philosoph und seit 1993 als Bildungsreferent beim Humanistischen Verband Berlin mitverantwortlich für die Qualifizierung der Lehrkräfte für das Fach Humanistische Lebenskunde in Berlin. Seine Schwerpunkte in der Aus- und Fortbildung sind Ethik, moralische Entwicklung, Philosophieren im Unterricht und Theorie und Geschichte des Humanismus.

Jaap Schilt ist überzeugt vom Nutzen und Mehrwert der Humanistischen Lebenskunde:
„Unter humanistischer Bildung verstehen wir mehr als eine bloße Wissensvermittlung. Wir machen uns beständig Gedanken über die Rolle des Menschen und seiner Handlungen in Natur und Gesellschaft. (…) „

Um allen eine Teilnahme zu ermöglichen, wird eine kostenfreie Kinderbetreuung angeboten.

hier zur Anmeldung

HVD NRW zum Grünen-Antrag „Philosophie verleiht Flügel!“

Im Schulausschuss des NRW-Landtages wurden am 6. Dez. zum gleichnamigen Antrag der Grünen (siehe „Drucksache 17/533“) sechs vorliegende Stellungnahmen erörtert.

Der Humanistische Verband NRW äußerte sich im Nachhinein und wünscht, dass ein Fach „Philosophieren mit Kindern“ oder „Praktische Philosophie“ an Grundschulen in NRW eingeführt wird. Dabei wären auch die staatlich finanzierten (konfessionellen) Bekenntnis-Schulen einzubeziehen. Die Landesregierung wird aufgefordert, die erforderlichen personellen Ressourcen bereitzustellen.

Abschließend wird auf den Unterschied zur Unterricht der „Humanistischen Lebenskunde“ aufmerksam gemacht. Dieser wird vom HVD präferiert und ist bereits in einzelnen Bundesländern eingeführt.

hier die ganze Stellungnahme

Quelle: Stellungnahmen zu Sitzungen von Ausschüssen des Landtages
www.landtag.nrw.de/portal/WWW/Webmaster/GB_I/I.1/aktuelle_drucksachen/aktuelle_Dokumente.jsp?docTyp=ST&wp=15&dokNum=Drs+17%2F533&searchDru=suchen

HVD NRW fordert „Ethik-Unterricht an Grundschulen“

Erklärung der Landesversammlung des HVD NRW zum Ethikunterricht (Okt. 2017)

Die neu gewählte Landesregierung aus CDU und FDP hat in ihrem Koalitionsvertrag geschrieben: „Neben vielfältigeren religiösen Bekenntnissen ist auch die Anzahl der Familien ohne konfessionelle Bindung angewachsen. Daher werden wir Ethikunterricht an Grundschulen ermöglichen.“

Der HVD NRW begrüßt diese Willensbekundung ausdrücklich. Es ist längst überfällig, dass an Grundschulen für alle Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, ein werteorientiertes Unterrichtsangebot existiert. Darüber hinaus fordert der Humanistische Verband, dass die Lehrpläne für das anzubietende Fach, ob es nun Praktische Philosophie, Ethik oder ähnlich heißt, von Fachverbänden und dem Humanistischen Verband NRW mit dem Status der „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ und als Weltanschauungsgemeinschaft mitgestaltet werden können.

Der HVD NRW erwartet, dass die Einführung des neuen Faches in der Grundschule auch mit der Erweiterung von personellen Ressourcen und einer entsprechenden Lehrerausbildung verbunden ist. Durch eine halbherzige Willensbekundung ohne ordentlichen Lehrplan und LehrerInnen, wird sich an der Situation für viele GrundschülerInnen nichts ändern, dass sie kein dem Religionsunterricht adäquates alternatives Angebot haben.


Mehr Info dazu
Stellungnahme des Schulministeriums
www.Pro-Ethik-NRW.de
Lehrer/innen-Gewerkschaft fordert
bekenntnis-unabhängigen Werteunterricht in der Grundschule
HVD Bergisches Land unterstützt in Wuppertal
Runden Tisch „Ethikunterricht an Grundschulen

GEW berät „bekenntnis-unabhängigen Werteunterricht“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat vor einiger Zeit einen Bundesausschuss Migration, Diversity, Antidiskriminierung (BAMA) eingerichtet. Eine Arbeitsgruppe des BAMA formulierte zum Gewerkschaftstag der GEW im Mai 2017 den Antrag 3.36 Gemeinsames bekenntnisunabhängiges Werte-Fach in der Schule *)

Die GEW fordert damit die Einführung eines Pflichtfaches zur Werte-Orientierung für alle Schüler*innen aller Jahrgänge und Schularten in allen Bundesländern, in dem ein gemeinsamer, bekenntnisunabhängiger schulischer Werte-Unterricht erfolgt. *)

Konkret: In allen Bundesländern wäre demnach dieses Unterrichtsfach als gemeinsamer Pflichtunterricht für alle Schüler*innen ab der 1. Klasse ohne Abwahlmöglichkeit einzuführen. Dazu könnte Religionsunterricht oder ein anderer bekenntnis-orientierter Werte-Unterricht als zusätzliches Unterrichtsangebot kommen.

Als wesentliche Inhalte dieses Werte-Fachs werden von der GEW angeführt

  • Grundwerte des Grundgesetzes und der UN-Menschenrechte
  • Reflexion kultureller Wurzeln von Philosophien, Religionen und Weltanschauungen
  • Förderung ethischer Urteils- und Handlungsfähigkeit
  • Toleranz, Akzeptanz und gegenseitiges Verständnis u.a.

Begründet wird das gemeinsame Schulfach mit der Suche nach einer gemeinsamen Werteorientierung mit Blick auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Vielfalt existierender Wertevorstellungen und der zu beobachtenden Verunsicherung können die derzeit existierenden Unterrichtsangebote nicht gerecht werden – weil keines dieser Angebote für alle durchgängig und verpflichtend konzipiert ist. Vielmehr will die Gewerkschaft, dass für alle Schüler*innen ein gemeinsamer, bekenntnisfreier, religiös und weltanschaulich ungebundener und inklusiver Erfahrungsraum geschaffen wird.

Die GEW hat sich vorgenommen, eine Strategie zur Einführung dieses Unterrichtsfaches in allen Bundesländern zu entwickeln. Bereits in der Diskussionsphase wird der Konsens mit potentiellen Bündnispartnern gesucht, um bildungspolitischen Druck zu entwickeln.

____________

*) Antrag zum 28. Gewerkschaftstages der GEW (06. bis 10. Mai 2017) wurde zur weiteren Beratung an den Hauptvorstand überwiesen

Werte und Normen an der Grundschule

Die Entwicklung zu einem weltlichen Werteunterricht ist in Niedersachsen schon ein Stück weiter gediehen als in NRW. Die Informationen darüber geben wir nachfolgend gern weiter.


Gemeinsamer Aufruf des Humanistischen Verbandes Niedersachsen K.d.ö.R. und des Fachverbandes Werte und Normen – ethische und humanistische Bildung in Niedersachsen e.V.

In die niedersächsische Bildungspolitik ist Bewegung gekommen. Es gibt offenbar die Überlegung, im Rahmen eines kleinen Schulversuches das Fach Werte und Normen an Grundschulen probeweise einzuführen.

Diese Testphase soll bereits im Schuljahr 2017 / 2018 beginnen. Perspektivisch könnte dann das Fach Werte und Normen als Alternative zum Religionsunterricht ab dem Schuljahr 2018 / 2019 als ordentliches Ersatzfach in der Grundschule eingeführt werden. Diese Öffnung gegenüber der Vielfalt von Religionen und Weltanschauungen an Grundschulen begrüßen wir sehr.

Es ist jedoch zu vermuten, dass die Einführung als ordentliches Ersatzfach nur dann realisiert wird, wenn sich genügend Grundschulen am „kleinen Schulversuch“ beteiligen.

Wir rufen daher alle interessierten Grundschulen auf, sich mit dem Kultusministerium in Verbindung zu setzen und die Möglichkeiten der Teilnahme der eigenen Schule überprüfen zu lassen.

Grundsätzlich können sich auch Eltern – beispielsweise über den Schulelternrat oder die Schulleitung – an das Kultusministerium wenden.

Zum Hintergrund:
Der Fachverband Werte und Normen – ethische und humanistische Bildung in Niedersachsen e. V. hat im März eine Petition zur Einführung von Werte und Normen an Grundschulen beim Präsidenten des Niedersächsischen Landtags eingereicht. Eine Antwort steht dazu noch aus.

Der Humanistische Verband Niedersachsen bietet seit 2015 in regelmäßigen Abständen eine Fortbildungsmaßnahme „Alternative zum Religionsunterricht an der Grundschule – Inhalte und Methoden einer humanistischen Bildung und Erziehung“ an.

Sobald ein Lehrplan für das Fach Werte und Normen vorliegt, wird diese Fortbildungsreihe als „Werte und Normen an der Grundschule – Inhalte und Methoden einer humanistischen Bildung und Erziehung“ fortgeführt und die Inhalte des Faches zentral berücksichtigen.

Informationen folgen unter
www.hvd-niedersachsen.de
www.fv-wun.de

Bekenntnisschule: Kirchen zahlen keinen Euro

Anfang Mai gab es gleich mehrere Medien-Beiträge zum Thema


Hunderte Millionen Steuergeld für ein Unikum im Westen

In Nordrhein-Westfalen gibt in jeder dritten Grundschule die Kirche den Takt vor – obwohl der Staat alles bezahlt. Wie kann das sein?

Das fragte die FAZ am 13. Mai


„Parteien wollen sich nicht mit den Kirchen anlegen“

Welche Rolle haben die Kirchen in unseren Schulen? Die Journalistin und Buchautorin Eva Müller setzt sich in ihren Reportagen und Büchern immer wieder kritisch mit dem Einfluss der Kirchen auseinander. „Es ist politischer Wille, dass die Bekenntnisschulen weiter existieren“, sagte sie im Deutschlandfunk.

Eva Müller im Gespräch mit Monika Dittrich


Eltern lehnen sich gegen Bekenntnisschule auf

Darf es sein, dass die Konfessionszugehörigkeit über die Aufnahme an einer Grundschule entscheidet? Rund jede dritte Grundschule in Nordrhein-Westfalen ist bekenntnisgebunden – finanziert aus öffentlichen Geldern. Das polarisiert Eltern zunehmend.

Beitrag von Michael Borgers im  Deutschlandfunk

NRW: Wann kommt Wertebildung in die Grundschulen?

FDP, Grüne und Linke in Nordrhein-Westfalen (NRW) wollen einen Philosophie-Unterricht für Grundschüler einführen. Die SPD will erst noch den Bedarf feststellen. Die Christdemokraten sehen diesen von vornherein nicht.

Nach Einschätzung des Humanistischen Verbandes NRW sind die Chancen für eine Einführung des Fachs daher eher gering. Es sei denn, die Eltern machen Druck …

Hier der ganze Beitrag bei „diesseits“

 

Staatlich betriebene Bekenntnisschule ist überholt

In der Debatte um staatlich betriebene Bekenntnisschulen in Nordrhein-Westfalen hat sich der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Hinnerk Wißmann vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster gegen diese Schulform ausgesprochen. In einem Interview hob der Verfassungsrechtler hervor, Förderung der Religion im Schulwesen und religiöse Neutralität des Staates gehörten zusammen.

Vom Staat betriebene Bekenntnisschulen, wie es sie fast nur noch in Nordrhein-Westfalen gibt, sind nach seinen Worten „ein Widerspruch in sich“. Hier solle eine Konfession mehr als die anderen gelten, obwohl der Staat religiös neutral sei.

Bekenntnisschulen seien insofern überholt, als es heute nirgendwo mehr eine konfessionelle Einheit von Schülern und Lehrern gebe, so der Rechtswissenschaftler. „Die religiöse Prägung dient als Fassade für die wunschgemäße Zusammensetzung der Schülerschaft und führt zu einer sozialen Entmischung. Es ist ein beschämendes Trauerspiel.“

In früheren Zeiten habe fast die gesamte Bevölkerung einer Region einer bestimmten Konfession angehört, also katholisch, lutherisch oder reformiert; damals sei das Zusammenwirken von Staat und Kirche in der Schule ein wichtiger Schritt in der Modernisierung der öffentlichen Erziehung gewesen. Hingegen sei heute „nirgendwo mehr eine konfessionelle Einheit von Schülern und Lehrern gegeben.“

Die Rolle der Religion in der staatlichen Gemeinschaftsschule (etwa durch den Religionsunterricht) und die Einrichtung kirchlich getragener Ersatzschulen gehören zu den Forschungsschwerpunkten des Religionsverfassungsrechts am Exzellenzcluster „Religion und Politik“.

Quelle
Humanistischer Pressedienst vom 28. Feb 2017

Interview mit  Professor H. Wißmann im Generalanzeiger vom 08.02.2017

Humanistentag: Welche Werte sollen in die Schule?

Diese Frage soll beim Humanistentag (15.–18.06.2017) in Nürnberg bei einer dort geplanten Podiumsdiskussion aufgeworfen werden.

„Wir sind Kirche“: Pro Ethik?

„Lebensgestaltung-Ethik-Religion …

… als verpflichtendes Unterrichtsfach für alle an allen Schulen“ wird seit langem auch vom Humanistischen Verband NRW gefordert. Auch einzelne Parteien und Persönlichkeiten bringen das Thema ins Gespräch, denn seit Jahren gehen die Ansichten in der Bevölkerung mehr und mehr in die säkulare Richtung.

Im Dezember 2016 wurde eine Schrift von Dr. Norbert Scholl mit genau diesem Titel bekannt. Der Autor ist u.a. Professor für kath. Theologie gewesen. Der Verein „Wir sind Kirche e.V.“ fungiert als Herausgeber seiner Schrift. Aber was genau ist mit dem o.g. Postulat gemeint?

Der Autor beschreibt zunächst die Genese des Religionsunterrichtes (RU) an deutschen Schulen und spart auch die Definition des Bundesverfassungsgericht von 1974 nicht aus. Die bezog sich auf den „Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Diese als bestehende Wahrheiten zu vermitteln, ist seine Aufgabe.“ Auf kurzen Begriff gebracht, könnte man von Mission sprechen. Dr. Scholl formuliert den wichtigen Hinweis nur als Frage, was vielen offenkundig erscheint: „Religionsunterricht [ist] ein Entgegenkommen des Staates gegenüber den christlichen Kirchen, der ihnen das Sonderrecht einräumt, an der staatlichen Institution Schule religiöse ‚Wahrheiten‘ zu vermitteln“ und das auf den Boden des gültigen Reichskonkordats. (S. 13)

Mit den anschließenden Ausführungen werden die Würde des Menschen, Platon, Kant und Habermas bemüht und damit der Teppich ausbreitet für eine Ansage des Münchener Kardinals Reinhard Marx. Dieser hat tatsächlich Ende 2016 die „Möglichkeiten einer erweiterten Kooperation mit dem evangelischen Religionsunterricht in gemischt-konfessionellen Lerngruppen“ erörtert. (S. 43) Selbst Michael Schmidt-Salomon, der Sprecher der atheistischen „Giordano-Bruno-Stiftung“, muss mit einem verkürztem Zitat herhalten: „Schüler dürften nicht ‚religiös ghettoisiert‘ werden“. (S. 44) Wer wollte da nicht zustimmen.

Dr. Scholl (Wir sind Kirche) hat sicher das Ergebnis der YouGov-Umfrage mitbekommen, nach der „69 Prozent der Befragten eine Abschaffung des Religionsunterrichts auch an den deutschen Schulen“ befürworteten. Aber er lässt sich nicht irritieren und fragt (sich), wer den umgebauten Religionsunterricht erteilen soll. (S. 44)

Die weiteren Überlegungen verdeutlichen, wo der Hase hinlaufen soll: „Überblickswissen über Christentum und Islam“ und „Studiengänge müssten von einem gemischten Gremium aus Staat, Hochschule und Religionsgemeinschaften festgelegt werden“. (S. 45) Säkulare Organisationen werden geflissentlich übergangen.

Ganz am Schluss der Schrift findet sich die Auflösung in Kurzfassung: „Für die Kirchen wird es infolge abnehmender Schülerzahlen zunehmend schwieriger katholische und evangelische Lerngruppen parallel einzurichten. … [Daher] spricht sich der Religionspädagoge Norbert Scholl für ein verpflichtendes Unterrichtsfach ‚Lebensgestaltung-Ethik-Religion‘ für alle Schüler und Schülerinnen an allen Schulen aus. Dieses Fach könnte die Grundlage für ein gemeinsames ‚Wir-Gefühl‘ in der demokratischen Gesellschaft bilden und gleichzeitig die Gottesfrage in der säkularen Gesellschaft wachhalten oder wieder neu wecken“. (S. 48)

Also kurz gesagt, geht es um einen Konfessionen übergreifenden Religionsunterricht. Religionsfreie Schüler/innen werden stillschweigend ausgegrenzt. Da erscheint doch die Abkürzung „LER“ für das Gemeinte irreführend. Die Bezeichnung in umgekehrter Buchstabenfolge wäre ehrlicher: „REL“.


Die Schrift ist in der „Gelben Reihe“ bei Wir sind Kirche e.V. erschienen und hier zu finden

Lebenskunde: Schülerzahl steigt

Der Humanistische Lebenskundeunterricht verzeichnete wie in den Jahren zuvor einen deutlichen Zuwachs der teilnehmenden Schüler/innen, von 60.257 im vergangenen Schuljahr auf aktuell 62.644 Schüler/innen (+2.387). Damit besucht fast jede_r fünfte Schüler_in in Berlin den Weltanschauungsunterricht des Humanistischen Verbandes.

Dies geht aus den aktuellen Zahlen für den Religions- und Weltanschauungsunterricht im Schuljahr 2016/17 der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend, Wissenschaft hervor.

hier zum Bericht des HVD Berlin-Brandenburg

YouGov-Umfrage zu Religionsunterricht

„Abschaffen des Religionsunterrichts“ entspräche laut einer YouGov-Umfrage der mehrheitlichen Vorstellung in unserem Land. Bisher hatten sich hauptsächlich Atheist/innen mit diesem Thema profiliert, aber nun soll es für diese Forderung bis hin zu CDU-Wählern eine klare Mehrheit geben.

Die Meinungsforscher hatten rund 1.000 Personen Ende September repräsentativ gefragt: „Brauchen wir … noch den klassischen Religionsunterricht? Oder ist gerade heute eine breite und allgemeine Vermittlung von Werten, Ethik und Normen wichtiger?“ Die Ergebnisse hatten im Spätsommer für ein kurzes Rauschen im Zeitungswald etc. geführt. Aber bald war das Thema wieder verschwunden.

Gemeinsamer Werteunterricht“ wird demnach von rund zwei Dritteln der Bevölkerung gewünscht – anstatt des Religionsunterrichts. Der Humanistische Verband NRW fordert seit langem „die Einrichtung eines obligaten Fachs »Ethik, Religionen, Weltanschauungen« o.ä., das für alle gemeinsam erteilt wird und nicht getrennt nach Konfessionen“. Dagegen wird gelegentlich auf das Grundgesetz verwiesen, dass der Reli-Unterricht damit garantiert sei.

Für die Klassen 5 bis 10 ist in NRW die „Praktische Philosophie“ eingeführt. Ein reguläres Unterrichtsfach, dass diesen Vorstellungen wenigstens in Ansätzen näher kommt. Gleichwohl nehmen daran nur die Schüler/innen teil, die nicht in den christlichen oder anderen Reli-Unterricht gehen. Aber selbst dieses sehr eingeschränkte Angebot gibt es in der Grundschule in NRW nicht.

HP.Schulz


„Mehrheit für Abschaffung des Religionsunterrichts, auch bei Union-Wählern“ Quelle: YouGov.de am 28.09.2016

Praktische Philosophie in die Grundschulen

In den Grundschulen Nordrhein-Westfalens gibt es für über 114.000 Kinder konfessionsfreier Eltern kein Angebot für einen Werte bildenden Unterricht. So wird die gesamte Wertebildung in den Jahrgangsstufen 1 bis 4 religiös vereinnahmt.

konfess-gsViele beschäftigt die Frage, wie die Schule zu einem menschlichen, humanen Zusammenleben und zum Wohl der Gemeinschaft beitragen kann. Wie kann Unterricht gezielt humane Werte und Verhaltensweisen fördern?

Manche sehen im Schulfach „Praktische Philosophie“ die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses als erfüllt an. Doch auch dieses Unterrichtsfach wird in NRW weder Flächen deckend angeboten, noch ist es in allen Schulformen überhaupt eingeführt, in der Grundschule eben gar nicht.

Aktuell gibt es Überlegungen, das Fach „Praktische Philosophie“ in der Grundschule als Alternative zum Religionsunterricht zu unterstützen.

HP.Schulz


Quelle der Schülerzahlen: MSW NRW, Statistische Übersicht Nr. 391 – Quantita Schuljahr 2015/16, Düsseldorf, Sep. 2016

Wuppertal: Religion, ein Fach für Minderheiten?

Mit diesem Thema befasste sich ein Beitrag der Wuppertaler Zeitung in WZ online am 03. Dez. 2016.

Hätte die Redaktion jemanden vom Humanistischen Verband in Wuppertal gefragt, so wäre die Antwort zunächst: „Ja“. Nicht so sehr, weil Religionsunterricht in jedem Fall für sinnvoll erachtet wird. Vielmehr verändert sich die Zusammensetzung der Schülerschaft seit Jahren rasant und viele Schulen und das zuständige Ministerium ignorieren diese offenkundigen Veränderungen.

Schätzungsweise gibt es in den Grundschulen Wuppertals etwa gleich viele muslimische wie evangelische Schüler/innen (je rund 25%). Rund ein Sechstel ist katholisch und die Konfessionslosen tendieren mit über 3.000 Schüler/innen gegen 30%. Deren Anspruch auf einen Werte bildenden Unterricht ohne transzendente Bezüge (!) wird ignoriert. Auf den Punkt gebracht, ist das nicht eine Art Diskriminierung? Viele sehen das so.

Daher verlangt der Humanistische Verband, dass es einen „Ethik-Unterricht für alle“ geben sollte – für Schüler/innen aller Konfessionen und Weltanschauungen gemeinsam. Denn miteinander reden ist besser als übereinander. Das schafft Verständnis und Toleranz! Zumindest in allen Schulen ab dem 5. Jahrgang sollte das in NRW bereits eingeführte Fach „Praktische Philosophie“ angeboten werden.

Damit bleiben immer noch rund 3.000 Grundschul-Kinder konfessionsfreier Eltern in Wuppertal „unversorgt“. In der Grundschule NRW ist die „Praktische Philosophie“ bisher nämlich nicht eingeführt! Vielmehr müssen in der Grundschule ALLE Kinder „auf der Grundlage christlicher Bildungs- und Kulturwerte in Offenheit für die christlichen Bekenntnisse …“ erzogen werden. So sagen es die gültigen Rechtsvorschriften.

Im WZ-Beitrag kommt die evangelische Schulreferentin aus Wuppertal zu Wort: „Auch wer nicht religiös ist, möchte wissen, warum es das Leid in der Welt gibt und warum es gerade ihn trifft“. Zu diesen Fragestellungen haben aber bisher bekannte Religionen keine ehrlichen Antworten – aus weltlich-humanistischer Sicht. Meist werden stattdessen nur Jahrtausende alte Dogmen angeboten.

Warum sollten konfessionsfrei aufgewachsene Kinder nicht auch im Rahmen ihrer Weltanschauung nach Antworten suchen dürfen? Im Sinne der Aufklärung bietet der Humanistische Verband (in Berlin) eine „Humanistische Lebenskunde“ an. Daran nehmen Jahr für Jahr zigtausende Schüler/innen teil – zur Zufriedenheit ihrer konfessionsfreien Eltern. In NRW ist dieses Alternativ-Fach nicht eingeführt.

weltansch-wpt-2017In der Bundesrepublik fallen immer mehr Menschen vom Glauben ab – nicht nur wegen der Kirchen-Skandale und der Kirchen-Steuer. Meist ist es auch einfach die Überzeugung, dass das höchste Wesen für den Menschen schlicht der Mensch selbst ist. So ist die Anzahl der Kindstaufen seit Jahren rückläufig, die Mitgliederzahlen der Kirchen schrumpfen und der säkulare Anteil der Bevölkerung nimmt stetig zu.

Im kommenden Jahr wird die Gruppe der religionsfreien Menschen in Wuppertal zahlenmäßig die Mitglieder der evangelischen Kirche überrunden (ausgehend vom „Mikrozensus 2011“, siehe Grafik). Voraussichtlich in etwa fünf Jahren werden die beiden christlichen Großkirchen zusammen weniger als 50% der Wuppertaler repräsentieren. Dann wird der christliche Religionsunterricht im Prinzip eine Veranstaltung für eine Minderheit sein.

HP.Schulz