Wuppertal: Religion, ein Fach für Minderheiten?

Mit diesem Thema befasste sich ein Beitrag der Wuppertaler Zeitung in WZ online am 03. Dez. 2016.

Hätte die Redaktion jemanden vom Humanistischen Verband in Wuppertal gefragt, so wäre die Antwort zunächst: „Ja“. Nicht so sehr, weil Religionsunterricht in jedem Fall für sinnvoll erachtet wird. Vielmehr verändert sich die Zusammensetzung der Schülerschaft seit Jahren rasant und viele Schulen und das zuständige Ministerium ignorieren diese offenkundigen Veränderungen.

Schätzungsweise gibt es in den Grundschulen Wuppertals etwa gleich viele muslimische wie evangelische Schüler/innen (je rund 25%). Rund ein Sechstel ist katholisch und die Konfessionslosen tendieren mit über 3.000 Schüler/innen gegen 30%. Deren Anspruch auf einen Werte bildenden Unterricht ohne transzendente Bezüge (!) wird ignoriert. Auf den Punkt gebracht, ist das nicht eine Art Diskriminierung? Viele sehen das so.

Daher verlangt der Humanistische Verband, dass es einen „Ethik-Unterricht für alle“ geben sollte – für Schüler/innen aller Konfessionen und Weltanschauungen gemeinsam. Denn miteinander reden ist besser als übereinander. Das schafft Verständnis und Toleranz! Zumindest in allen Schulen ab dem 5. Jahrgang sollte das in NRW bereits eingeführte Fach „Praktische Philosophie“ angeboten werden.

Damit bleiben immer noch rund 3.000 Grundschul-Kinder konfessionsfreier Eltern in Wuppertal „unversorgt“. In der Grundschule NRW ist die „Praktische Philosophie“ bisher nämlich nicht eingeführt! Vielmehr müssen in der Grundschule ALLE Kinder „auf der Grundlage christlicher Bildungs- und Kulturwerte in Offenheit für die christlichen Bekenntnisse …“ erzogen werden. So sagen es die gültigen Rechtsvorschriften.

Im WZ-Beitrag kommt die evangelische Schulreferentin aus Wuppertal zu Wort: „Auch wer nicht religiös ist, möchte wissen, warum es das Leid in der Welt gibt und warum es gerade ihn trifft“. Zu diesen Fragestellungen haben aber bisher bekannte Religionen keine ehrlichen Antworten – aus weltlich-humanistischer Sicht. Meist werden stattdessen nur Jahrtausende alte Dogmen angeboten.

Warum sollten konfessionsfrei aufgewachsene Kinder nicht auch im Rahmen ihrer Weltanschauung nach Antworten suchen dürfen? Im Sinne der Aufklärung bietet der Humanistische Verband (in Berlin) eine „Humanistische Lebenskunde“ an. Daran nehmen Jahr für Jahr zigtausende Schüler/innen teil – zur Zufriedenheit ihrer konfessionsfreien Eltern. In NRW ist dieses Alternativ-Fach nicht eingeführt.

weltansch-wpt-2017In der Bundesrepublik fallen immer mehr Menschen vom Glauben ab – nicht nur wegen der Kirchen-Skandale und der Kirchen-Steuer. Meist ist es auch einfach die Überzeugung, dass das höchste Wesen für den Menschen schlicht der Mensch selbst ist. So ist die Anzahl der Kindstaufen seit Jahren rückläufig, die Mitgliederzahlen der Kirchen schrumpfen und der säkulare Anteil der Bevölkerung nimmt stetig zu.

Im kommenden Jahr wird die Gruppe der religionsfreien Menschen in Wuppertal zahlenmäßig die Mitglieder der evangelischen Kirche überrunden (ausgehend vom „Mikrozensus 2011“, siehe Grafik). Voraussichtlich in etwa fünf Jahren werden die beiden christlichen Großkirchen zusammen weniger als 50% der Wuppertaler repräsentieren. Dann wird der christliche Religionsunterricht im Prinzip eine Veranstaltung für eine Minderheit sein.

HP.Schulz

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